Und zu was bietet es sich momentan besser an was zu schreiben, wenn nicht zur ersten Episode von „Life is Strange“?
Der erste von insgesamt fünf Teilen des komplett in Englisch gehaltenen Spiels von „Dontnod“ ist am 30.01.2015 erschienen und wurde natürlich – wie jedes „besondere“ Spiel heutzutage – sofort hochgehyped.
Aber geschah das auch zurecht?
Ich schreibe einfach mal meine Eindrücke auf und ihr könnt gerne darauf eingehen oder euch euer eigenes Bild machen.
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Falls sich jemand fragt, was für ein Spiel Life is Strange ist, kann man zum Vergleich wohl am Ehesten die „The Walking Dead“-Spiele von Telltale Games heranziehen.
Man steuert die Protagonistin Maxine „Max“ Caulfield aus der Third-Person-Ansicht, kann mit diversen Gegenständen interagieren und sich mit den Personen im Umfeld unterhalten, wobei man mehrere Dialogoptionen vorgesetzt bekommt und somit selbst entscheiden kann, ob man dem Gesprächspartner gegenüber freundlich oder abweisend handelt.
Allerdings sind diese Entscheidungen nicht bindend, denn Max hat eine Fähigkeit, die so manch einer von uns sicher auch gerne hätte.
Aber dazu später – jetzt wird erst mal auf die Story eingegangen.

Max ist 18 Jahre alt und besessen von ihrer Kamera, mit der sie nonstop versucht möglichst schöne Fotos (oder Selfies) zu schießen. Aus diesem Grund (und ihrem Lehrer) zieht sie nach fünf Jahren aus Seattle zurück in ihren Heimatort Arcadia Bay, wo sie von nun an die Blackwood Academy besucht um alle Tricks und geschichtlichen Hintergründe der Photographie zu erfahren.
Das Spiel allerdings startet in einem Art Wald.
Um uns herum tobt ein Sturm und wir bahnen uns unseren Weg zu einem Leuchtturm, der freundlicherweise an einem Kliff steht. Selbstverständlich fällt er in sich zusammen, stürzt auf uns hernieder und…plötzlich findet man sich in einem Klassenzimmer wieder.
Max ist verwirrt, da dieser Tagtraum sich für sie deutlich realer als der typische Standarttraum angefühlt hat und versucht sich erst mal zu sammeln. Dazu prüft sie ihren Tisch, auf dem diverse Dinge liegen, die wir uns nach Belieben anschauen können. Allerdings drängt sie uns relativ schnell dazu unbedingt ihre Kamera zu nehmen um ein Selfie zu schießen, damit sie sich beweisen kann, dass sie noch da ist. Ja. Genau. Während des Unterrichts.
Der sexy Mr. Jefferson, auf den JEDES Mädchen der Schule steht, nimmt es unserer Protagonistin aber nicht zu übel, sondern stellt ihr eine Frage nach dem Ursprung der Selfies. Da Max scheinbar genau so viel gelernt hat, wie ich zu meiner Schulzeit, weiß sie leider nichts darüber, aber dafür gibt es ja die superreiche, fiese Streberin, die uns augenscheinlich nicht leiden kann und Max direkt einen blöden Spruch reindrückt, nachdem sie von Mr. Sexyson gelobt wurde.
Übrigens: Keine Sorge, ich erzähle euch jetzt nicht die ganze Geschichte. Ihr versteht gleich, weshalb ich eure Augen mit so vielen Buchstaben belastet habe.

Die Unterrichtsstunde endet und wir können uns endlich frei bewegen. Max gibt zu vielen Dingen Kommentare ab, kann mit ein paar Personen interagieren und möchte dann dringend die Toilette aufsuchen, um sich Wasser ins Gesicht zu werfen (nicht aus der Kloschüssel, Max!).
Auf dem Weg dorthin begegnet man vielen Vermisstenpostern einer Schülerin und nebenbei einer großen Anzahl an Mitschülern, die uns zwar alle ignorieren, aber scheinbar kennt Max jeden von ihnen und beschreibt uns in einem inneren Monolog deren Charakterzüge. Auch steigt an dieser Stelle die Musik ein, die an sich wirklich passend zu den jeweiligen Situationen ist. Wobei ich bisher nicht verstanden hab, weshalb sanfte Melodien von einer Akustik-Gitarre als „Punk“ bezeichnet werden. Scheinbare höre ich also richtig heftigen Death-Metalcore. Was man nicht alles lernt.
Jetzt aber schnell aufs Klo!
Denn hier passiert etwas Magisches – und das klingt in diesem Zusammenhang unglaublich falsch..
Während Max mit nassem Gesicht beschäftigt ist einen blauen Schmetterling auf einem Eimer zu fotografieren, stürmen ein Junge (reicher Schüler, dessen Eltern die Schule zu großen Teilen finanzieren) und ein blauhaariges Mädchen (hört gerne harten Kuschel-Akustik-Punk) hinein und streiten sich wegen Drogen und anderen typischen Teenagerproblemen. Plötzlich zückt der Junge eine Waffe, feuert sie versehentlich ab und bringt das Mädchen um. Max schreit auf, streckt ihre Hand nach vorne und schießt Spinnenweben…moment…und spult damit die Zeit zurück, bis zu der Stelle an der sie im Klassenraum aufwacht.
Meine Damen und Herren, dies ist die Besonderheit an Life is Strange: Max kann Selfies machen UND die Zeit manipulieren. Beneidenswert.
Die werte Maxine ist nun natürlich völlig verwirrt und zweifelt an ihrem Geisteszustand, doch als sie bemerkt, dass sich wirklich wieder alles wiederholt, nimmt sie sich vor das Mädchen vor ihrem sicheren Tod zu retten.

Kommen wir also zum eigentlichen Spiel und dem Grund, weshalb ich so viel über die Szene im Klassenzimmer geschrieben habe.
Max macht wieder ihr Selfie und wird daraufhin auch wieder von ihrem Lehrer gefragt, woher dessen Ursprung ist. Nun, da sie ihre Erinnerungen an die Zukunft (lol) behält, kann sie diesmal die richtige Antwort geben, weshalb die reiche Streberin jetzt erst recht sauer auf uns ist.
Und so können wir in der Folge diverse Dialoge zurückspulen und immer die passenden Dinge zu den Personen sagen.
Zurück zum Klo.
Hier retten wir das Mädchen, indem wir den Feueralarm mit einem Hammer auslösen. Und diese Szene war es, die mich unsicher bezüglich des Spannungsgrads des Spiel gemacht hat. Man sucht fieberhaft nach einer Lösung, entdeckt sie, will gerade den Alarm auslösen, doch da ertönt wieder der tödliche Schuss. In diesem Moment wird einem plötzlich klar, dass man überhaupt nichts überstürzen muss, da man die Zeit völlig ohne Einschränkungen zurückspulen kann. Also hört man der Blauhaarigen noch zehn Mal beim Sterben zu, bis sie schließlich doch gerettet ist.
Byebye, Spanunng. Oder?
Denn beim Verlassen des Mädchenklos werden wir erst von einem Sicherheitsmann angeschnauzt, aber direkt vom Direktor wieder aus dessen Klauen befreit. Dem Leiter der Schule fällt sofort auf wie aufgewühlt wir sind und er fragt uns, was denn mit uns los sei. Dies ist die erste von vielen Entscheidungen, die sich auf die Story und/oder Spielwelt auswirken.
Wir können aussuchen, ob wir ihm die Wahrheit sagen und den reichen Gelbgebersohn verpfeifen oder es verschweigen und Übelkeit vorschieben. Wenn uns die Reaktion auf die eine Antwort nicht gefällt, spulen wir einfach die Zeit zurück und schauen uns an, was bei der anderen herauskommt. Leider macht einem das Spiel an solchen Stellen recht deutlich, welcher Weg für uns besser wäre. Die Tatsache, dass man absolut kein Zeitlimit für die Dialoge vorgesetzt bekommt nimmt auch das Gefühl schnell handeln zu müssen (wie aus der TWD-Reihe bekannt) vollkommen aus dem Spiel. Tjaja, die Nachteile der Zeitmanipulation.
Trotzdem wird es spannend zu sehen, wie sich unsere Wahlen in den kommenden Episoden auswirken, da selbst scheinbar zufällig geschossene Fotos manche Charaktere beeinflussen können.
Damit sollte jetzt jeder einen groben Überblick darüber haben, wie das Spiel abläuft.
Man läuft die Areale ab, untersucht Gegenstände, redet mit Personen, beeinflusst die Zeit um an Infos zu gelangen und sich oder andere zu retten.
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Wie bewerte ich jetzt also den Einstieg in das von Square Enix gepublishte Spiel?
Ehrlich gesagt tue ich mich da verdammt schwer, denn es gibt sehr viele gute Ansätze, die aber einfach nicht richtig ineinander greifen.
Storymäßig kratzt die erste Episode leider nur an der Oberfläche. Es gibt ein verschwundenes Mädchen, das jeder mochte, den Tagtraum und das Wiedersehen mit Max‘ alter Kindheitsfreundin Chloe.
Für mich tun sich einfach zu viele Widersprüche auf.
Dass diese Freundin das blauhaarige Mädchen ist, konnte man ja schon in den Trailern erkennen. Ich kann es verzeihen, dass Max sie nicht sofort erkennt, da sie sich in ihrer 5-jährigen Abwesenheit ziemlich verändert hat. Was gar nicht in meinem Kopf geht, ist die Art, wie sie darauf reagiert, als sie Chloes Stiefvater auf Bildern sieht. Sie sagt in etwa sowas wie: „Oh, Chloes Stiefvater scheint ein Sicherheitsmann an meiner Schule zu sein.“ Verdammt nochmal, du hattest ZWEI Begegnungen mit ihm. Du KENNST ihn! Argh!
Auch die Tatsache, dass Max angeblich vollkommen introvertiert ist und kaum Freunde hat und nicht weiß, wie sie mit Leuten reden soll, dann aber wirklich jeden einzelnen Schüler kennt, mit ihnen problemlos minutenlang Smalltalk führt…hm..
Ich bin wirklich gespannt, wie die zweite Episode ablaufen wird, ob die Entwickler es hinbekommen mehr Spannung in das Spiel zu bringen, Situationen zu erschaffen, die man nicht mittels Zeitmanipulation ganz leicht entschärfen kann. Denn so nett diese Spielerei ist, fünf Episoden lang kann man das nicht so durchziehen.
Die Story sollte im nächsten Teil auch dringend Fahrt aufnehmen, zumal am Ende von Part eins ja zumindest ein kleiner Cliffhanger eingebaut wurde.
Die Synchro passt, die Musik passt, die Charaktere sehen soweit ganz ordentlich aus und es gibt viel zu entdecken. Hoffnung besteht auf jeden Fall.
Unterm Strich kann ich wohl sagen, dass ich mich zwar auf den nächsten Teil, der Mitte März erscheinen soll, freue, aber nicht drauf hin fiebere. Das Spiel ist soweit ok, ich hab es gerne gespielt, war aber ein wenig davon enttäuscht, wie wenig wirklich in dieser Episode passiert ist.
Wieso so viele Leute das Spiel nach dieser Episode hochjubeln, kann ich kein Stück verstehen, aber das ist heutzutage ja leider zum Normalzustand geworden.

Unabhängig davon hoffe ich, dass euch mein erster Eintrag gefallen hat. Ich selbst habe zumindest wieder gemerkt wie viel Spaß mir das Schreiben machen kann.
Bis demnächst!
– Try
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